Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die FDP/DVP fühlt sich an das Dschungelcamp erinnert, eine sogenannte Realityshow eines privaten Fernsehsenders. Da rufen dann die Teilnehmer dieses etwas fragwürdigen Spiels: "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!". Der Titel ist vielleicht etwas provokativ, aber es lässt sich wohl nicht ganz vermeiden, dass es wohl Parallelen zur derzeitigen Bildungspolitik gibt.

Ich muss Ihnen sagen: Die CDU fühlt sich eher noch an ein anderes Format dieses Fernsehsenders erinnert, das "Deutschland sucht den Superstar" heißt. Mir scheint nämlich, die grün-rote Landesregierung sucht zurzeit den Superlehrer. Sie lässt sich dabei von ihrem Idol, dem Schweizer Peter Fratton, dem angeblichen Vater der individuellen Förderung in dieser neuen Schulart, inspirieren. Er wurde einmal gefragt, warum denn so viele Lehrkräfte seine ach so ideale Schule wieder verlassen. Da hat er gesagt: "Wir suchten Lernbegleiter, aber wir bekamen Lehrer." Das will ja wohl heißen, meine Damen und Herren: Die vorhandenen Lehrer taugen nichts. Sie passen nicht in die gewünschte Schule, die man sich jetzt so ideal vorstellt. Das ist Wunschdenken in Reinkultur, meine Damen und Herren.

Das ist Politik nach dem Motto: "Als das Wünschen noch geholfen hatte". Das ist aber eine Formulierung aus Grimms Märchen; sie sind bekanntlich 200 Jahre alt. Aber ein neues Märchen hat uns jetzt eine Professorin aus Berlin erzählt, meine Damen und Herren. Die Vorsitzende dieser Expertenkommission, die die Landesregierung eingerichtet hat, um die Lehrerbildung in Baden-Württemberg auf neue Füße zu stellen, wünscht sich, dass alle Lehrer alles können. Herr Kollege Rülke hat es eben schon beschrieben: Ein Lehrer soll alle Altersstufen unterrichten können, alle Bildungsgänge, vielleicht auch noch am besten alle Fächer, soll Kinder in allgemeinbildenden Schulen wie Kinder mit Beeinträchtigung und Behinderungen unterrichten können. Das ist der Einheitslehrer, meine Damen und Herren.

Die Professorin aus Berlin hat sich nicht gescheut, dieses Wort in den Mund zu nehmen. Völlig unproblematisch spricht sie vom Einheitslehrer. Ich muss wiederholen, was Herr Kollege Rülke gesagt hat: Hier wird uns aus Gründen der politischen Korrektheit untersagt, wir sollten doch bitte nicht von Einheitsschule sprechen. Aber in Berlin ist es offensichtlich gang und gäbe, vom Einheitslehrer zu reden, und der soll jetzt auch in Baden-Württemberg installiert werden. Dazu gibt sich die CDU-Landtagsfraktion nicht her, meine Damen und Herren.

Ich gebe jedoch zu, das Thema ist ernst, und es ist wirklich zu ernst, als dass man es mit Dschungelcamp, mit Wunschdenken, mit Märchenstunde und Elfenbeinturm in Verbindung bringt. Denn tatsächlich stehen unsere Lehrerinnen und Lehrer vor großen Herausforderungen. Das wissen alle, die sich intensiv mit dem Thema befasst haben, und das haben wir in der CDU-Landtagsfraktion gründlich getan. Wir hatten eine Art Expertenkommission eingerichtet, die von Praktikern dominiert war. Es waren ganz viele Lehrer, ganz viele Menschen dabei, die jeden Tag im Klassenzimmer stehen und wissen, wovon sie reden.

Wir können nicht verleugnen, die Gesellschaft verändert sich. Das heißt, auch Schule und Unterricht müssen sich ändern. Aber Schule ist nur so gut wie der Unterricht ist, der dann erteilt wird. Das hat überhaupt nichts mit Schulstrukturen zu tun. Der Unterricht ist natürlich nur so gut, wie die Lehrer dazu ausgebildet sind. Die Lehrerinnen und Lehrer müssen richtig ausgebildet sein – das ist klar –, und sie müssen heutzutage mehr leisten als nur Wissensvermittlung. Sie müssen einen hohen Anteil an Erziehungsarbeit leisten, sie müssen Sozialarbeit leisten, sie müssen sich noch mehr als früher mit den unterschiedlichen Lern- und Lehrmethoden auseinandersetzen, und sie müssen auf die vielen individuellen Bedürfnisse der kleinen
Individualisten, die vor ihnen sitzen, eingehen können. Das heißt, sie müssen zum Fachwissen hinzu noch mehr an Bildungswissen, an Erziehungskompetenz, an Pädagogik und Didaktik erfahren.

Dazu, Frau Ministerin Bauer und Herr Minister Stoch, stehen wir gern für einen Dialog und für ein konstruktives Gespräch bereit. Wir haben die Forderungen dieser Expertenkommission sehr gründlich gelesen. Ich sage Ihnen ehrlich: Was darin steht, ist nicht alles falsch. Wir können uns über das eine oder andere durchaus auseinandersetzen. Aber ich erwarte auch, dass Sie sich ebenso mit unseren Forderungen auseinandersetzen. Dazu gehört eindeutig: Wir wollen keinen Einheitslehrer.

Wir brauchen unterschiedlich ausgebildete Lehrer für differenzierte Bildungswege, die den Ansprüchen unserer Kinder gerecht werden. Wir brauchen einen attraktiven Beruf. Das Image des Lehrerberufs muss gut bleiben. Es muss nicht so aussehen, als ob Lehrer schreien müssten: "Hilfe, holt mich hier raus", sondern es muss ein attraktiver Beruf sein. Da ist die Absenkung der Eingangsbesoldung für Beamten genau kontraproduktiv. Wir dürfen unsere Lehrer nicht überfordern, sondern wir müssen Ihnen Hilfe leisten. Dazu haben wir einige Ansätze vorgelegt. Ich bin gespannt, wie Sie auf unser Dialogangebot eingehen, Herr Minister.

Vielen Dank.

© 2012 - Sabine Kurtz - CDU BW 2014